Taipei

Taipei

Dienstag, 28. Dezember 2010

Weihnachten in Taiwan

So nun mal wieder einen Text von mir. Wie ihr euch vorstellen könnt, war auch ich in letzter Zeit sehr beschäftigt.
Ein kurzes Backup zu der letzten Zeit:
Ich bin nun schon vier Monate hier und mit der Kommunikation klappt es nach wie vor nur schleppend. Liegt wahrscheinlich daran, dass Chinesisch wirklich nicht so einfach zu lernen ist.
Rotary hier ist milde gesagt momentan meine größte Herrausforderung. Es gab einige Austauschschüler die ziemlichen Mist gebaut haben und seitdem herrscht hier Kontrollzwang. Jede Bewegung in der Öffentlichkeit wird protokolliert und Rotexer sind der verlängerte Überwachungsarm bis hinein in die Gastfamilien. Diese werde fast wöchentlich interviewt.
Sicherlich ist das nur zum eigenen Schutz gedacht, aber gerade ich als unbeteiligte fühöe mich davon imens eingeschränkt.

Ich lebe immernoch in meiner ersten Gastfamilie, die ich wirklich total liebe. Auch wenn sie super beschäftigt sind, bieten sie mir trotzdem ein Familienleben und heitern mich bei all dem Stress auf.
Ich werde jetzt nächsten Samstag am 1.01. in meine neue Familie wechseln. Vor dem Wechsel habe ich ehrlich gesagt ein wenig Angst, aber das wird schon werden.

Nun aber zum eigentlichen Thema:

Weihnachten in Taiwan

Vielfach wurde ich gefragt, wie und ob Taiwanesen Weihnachten denn überhaupt feiern. Nun hier die Antwort, von dem was ich erlebt habe.

Im vorhinein gab es genauso wie in Deutschland einen rießen Rummel. Das heißt super viele Weihnachtsveranstaltungen. Wenn Weihnachten in Taiwan gefeiert wird, dann nur unter kommerziellen und touristischen Gesichtspunkten, denn in Taiwan leben überwiegend Buddhisten.

Die Geschäfte werden dort genauso wie in Europa dekoriert und geschmückt, denn trotzdem ist Weihnachten sehr wichtig, denn die Taiwaner möchten auch westlich orientiert sein.
Weihnachten selber ist bei ihnen aber nicht als Feiertag/freier Tag angesehen. Ich musste am 24ten Dezember morgens in die Schule gehen. Dort hatte ich dann eher das Gefühl an einem Valentinstag zu sein. Schülerinnen tauschten sich untereinander kleine Kärtchen aus in denen sie sich gegenseitig ein frohes Weihnachten wünschten.
Ich selber hatte natürlich typisch deutsche Weihnachtssüßigkeiten dabei und verteilte diese.
Als ich Klassenkameraden fragte, ob sie denn etwas besonderes für Weihnachten machen würden, wurde mir mit "Nein" geantwortet. Nach der Schule führte mich meine Familie dann zum Dinner aus. Sie hatten mir im vorhinein nicht gesagt, wo es hingehen sollte. Umso erstaunter war ich dann als ich im Hilton Hotel zu Abend aß. Das Essen selber war super lecker, nur fühlte ich mich in so reichem Umfeld nicht so wohl.
Ich weiß nicht ob das typisch ist, aber in Deutschland bin ich es gewohnt die Weihnachtsfeiertage mit der Familie gemütlich Zuhause zu verbringen.
Dementsprechend war das mal eine ganz andere Erfahrung.
Anschließend ging es dann mit Estelle in die Holy Family Church oder eben 天主教聖家堂.
Dort wollten wir an einem englisch sprachigen Weihnachtsgottesdienst teilnehmen. Nach anfänglichen Ortungsschwierigkeiten, verbrachten wir dort dann eine schöne Messe und anschließend ging es zu Estelle Nachhause.
Wir Mädels hatten uns vorgenommen Weihnachtsfilme zu gucken um doch noch ein bisschen in Weihnachtsstimmung zu kommen.
Leider machte uns dann das taiwanesische Fernsehen einen Strich durch die Rechnung, denn selbst in den englischsprachigen Sendern liefen nur Kriegsfilme.
Dann entschieden wir uns dafür noch Spekulatius Kekse aus Deutschland zu essen.

Im Vergleich hatte der 24te und die beiden darauffolgenden Tage also nicht wirklich mit Weihnachten zu tun und das Weihnachtsfeeling blieb aus. Dafür bin ich jetzt um einige Erfahrungen reicher und hatte eine tolle Zeit mit Freunden.

Sonntag, 12. Dezember 2010

真的嗎?- Ein echtes Pferd?

Jetzt ist schon wieder ein wenig Zeit vergangen, seitdem ich das letzte Mal gepost habe. Wie ich euch schon berichtet hatte, ist jetzt wirklich super viel los und ich bin, wenn ich abends Nachhause komme, einfach viel zu müde als das ich noch Posten könnte.
Was es so zu berichten gibt? Nun mit dem Chinesisch lernen geht es ganz gut voran. Ich habe gute Punktzahlen in meinen Tests und habe sogar ein Zertifikat für den meisten Fortschritt bekommen, trotzdem möchte ich mehr lernen.
Zum Glück geht es nicht nur mir so und so werden wir nun ab Januar nochmal so 8- 10 extra Stunden in der Woche haben.
Mittlerweile verstehe ich schon viele Wörter in einem Satz nur manchmal eben nicht die genaue Bedeutung des Satzes. Ich kann mich auch schon ausdrücken, nur wird das manchmal nicht verstanden wegen der inkorrekten Aussprache.
Also in Sachen Sprache lernen bin ich ganz zufrieden.

Nun will ich euch aber von interessanteren Dingen berichten. Gestern war der 113 Geburtstag meiner Schule. Hierfür mussten wir vier Austauschschülerinnen (Arantxa, Effi, Estelle und Ich) mitsamt der gesamten Schülerschaft von ca. 3000 Mädels schon ab 7.50 auf der Matte stehen. Wir Austauschschüler natürlich mit passenden Länderkostümen.

Alle Klassen des zweiten Jahrgangs mussten auf dem Sportfeld aufmarschieren und eine kleine Show vorführen, die ihre Klasse repräsentieren sollten. Viele tanzten zu Musik. Auf dem Rasen im Hintergrund saß die ganze erste Jahrgangsstufe und schaute ihnen dabei zu.
Außerdem Zuschauer waren wichtige Politiker und der Bürgermeister von Taipei. Dementsprechend wurde unsere ganzen Darbietungen von einem groß Aufgebot der Presse festgehalten.
Wir schauten uns munter die wirklich guten Darbietungen an, als unsere Schulbeauftragte Christy kam und meinte, Mädels ihr seid als nächstes dran.
Wir vielen aus allen Wolken. Keiner hatte uns im Vorhinein gesagt, dass auch wir aufmarschieren sollten und dementsprechend hatten wir auch gar nichts vorbereitet.
Das stellte sich dann aber als gar kein Problem raus. Wir liefen einfach munter hintereinander her und alle brachen in rießen Jubel aus. Das war wirklich Gefühl was man in so einem Moment hat, ist wirklich unvergesslich toll! :)


Nachdem wir unsere Darbietung beendet hatten, waren die ersten Jahrgänge dran. Ca. 1000 Mädels tanzten also nun auf dem Sportfeld den Aerobictanz, mit dem sie auch schon einen Wettbewerb hatten.
Anschließend gingen wir zu den Ständen. Jede Klasse des ersten und zweiten Jahrgangs hatte einen Stand, wo er Essen und Trinken verkaufen konnte.
Die Stände selber waren super dekoriert. Der Stand meiner Klasse war ganz besonders schön. Sie hatten eine rießen Deutschlandfahne hängen. Außerdem hatte jede Klasse ihr eigenes Klassen T-shirt an. Hier ist das meiner Klasse:

Den ganzen Vormittag verbrachte ich also damit mir alles anzuschauen und geschätzte 100 Mal für Fotos zu posen. Wir Austauschschüler waren mal wieder die Attraktion überhaupt.
Am Nachmittag kam dann meine taiwanesische Freundin Alice mit ihrem Freund Kyle. Mit denen schaute ich mir dann noch die Konzerte an.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass mich dieser Schulgeburtstag wirklich sehr begeistert hat. Man hat einfach viel mehr diesen Zusammenhalt gespürt. Alles war bestens organisiert und ich war wirklich stolz ein Teil dieser Schule zu sein. In Deutschland hatte ich bei unseren Schulfesten nie diesen tollen Eindruck. Also wenn ich mal in Taiwan seid, geht auf jeden Fall auf einen Schulgeburtstag!

Nachdem dann um 15 Uhr das Hauptprogramm zu Ende war, gings für Alice, Kyle, Arantxa, Effi und mich nach Ximen. Wir alle hatten weder ein Frühstück noch ein Mittagessen gehabt und starben fast vor Hunger und Müdigkeit.

Ich verbrachte noch ein wenig Zeit mit ihnen und dann gings für mich nach Bali, Danshui.
Ich weiß nicht ob ich es schon erwähnt hatte, aber als ich letztens in einem Reitstall war, weil ich die Pferde so vermisse (Zuhause habe ich mein eigenes Pferd und verbringe fast täglich Zeit mit ihm), traf ich einen netten Taiwanesen der mich einlud auf seinem Pferden zu reiten.
Dieser Taiwanese ist Johnny. Er hat in New York studiert, dementsprechend ist sein Englisch wirklich ausgesprochen gut. Er hat mit seiner Familie zusammen zwei Pferde. Magic und Prince, beide Schimmel (weiß).
Nun werde ich jedes Wochenende aufs neue zum reiten eingeladen. Ich genieße die Zeit mit dieser wunderbaren Familie wirklich sehr. Sie sind super offen und geben mir das Gefühl ein Teil ihrer Familie zu sein.
Johnny holte mich als in Ximen ab und wir fuhren zusammen mit seinem jüngeren Bruder Kenny zum Stall. Es war Bonny's (Johnnys jüngere Schwester) Geburtstag und ich war eingeladen.

Ich selbst hatte Bonny als einzige aus der Familie noch nicht kennengelernt. Um so glücklicher war ich, als ich zur Begrüßung erstmal von ihr in den Arm genommen wurde. Das ist hier nämlich nicht typisch.
Ich wurde dann auch gleich ihren Freundinnen vorgestellt, mit denen ich mich auch allen gleich super verstand. Die Mädels waren so um die 20 Jahre alt, waren aber vom Verhalten her eher mein Alter. Taiwanesen sind im Vergleich zu uns Deutschen vom Kopf her immer jünger. Das liegt daran, dass sie so viel lernen müssen und dementsprechend nicht so viel sozialen Kontakt haben wie wir.
Manchmal ist ihr Verhalten dann auch total komisch. Zum Beispiel wissen sie manchmal gar nicht mit Tieren umzugehen.
Mit den Mädels hatte ich aber super viel Spaß!
Dann wurde ich von dem Vater wieder zum reiten eingeladen. Ich durfte mit Magic auf dem außen Platz springen.
Nun komme ich aber zum Hauptpart, der auch wieder meinen Titel beschreibt.
Nach dem Reiten, schnappten wir uns also die Pferde und es ging zur Uferseite von Danshui. Ihr müsst euch das so vorstellen, dass man dort praktisch noch in der Stadt ist. Man sieht den Taipei 101 und es ist wirklich ein wunderschöner Ort.
Als wir mit den Pferden im Anhang so durch die Straßen zum Ufer maskierten, war das natürlich die Attraktion überhaupt.
Für mich ist es normal, Pferde im täglichen Leben zu sehen. Bisher ging ich davon aus, das es für Taiwanesen auch so ist. Die Erfahrung gestern zeigt mir aber das es nicht natürlich für sie ist.
Nein, im Gegenteil. Wir waren mit den Pferden die Attraktion überhaupt. Schnell hatte sich eine rießen Gruppe von Menschen um uns versammelt, die Fotos machten und die Pferde auch mal anfassen wollten. Ich war echt froh als wir dann irgendwann weitergingen, denn das wurde den Pferden wirklich ein bisschen zu viel.
Am Ufer angekommen, ließen wir sie dann graßen und genossen den wunderbaren Ausblick auf eine Großstadt by night.



Auf unserem Rückweg begegneten wir einen kleinen Jungen, der so überwältigt von dem Anblick von den Pferden war, dass er laut ausrief: 真的嗎 „Zhende ma!“- Was so viel bedeutet wie: „Ein echtes Pferd!“
Seine Augen war so weit geöffnet und sein Mund vor erstaunen auch. Sein Anblick war für mich zunächst unverständlich, weil ich es ja wie gesagt gewöhnt bin Pferde zu sehen.
Als ich dann aber verstand, dass Pferde hier nicht so alltäglich sind wie bei uns in Deutschland, freute ich mich richtig und war richtig stolz :)
Ihr seht also, was uns so alltäglich erscheint, ist in anderen Kulturen/ Ländern manchmal etwas ganz besonderes.

Und so beende ich meinen Post für heute.
Habt eine schöne und hoffentlich entspannte Vorweihnachtszeit!