Taipei

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Mittwoch, 15. September 2010

„I like to eat foreigners“

Der heutige Titel meines Blog Eintrags mag euch ganz schön englisch vorkommen. Ist er auch. Wieso in englisch meint ihr jetzt, wo ich doch deutsch bin? Weil Englisch neben Chinesisch hier meine zweite Hauptsprache ist.
Jetzt mögt ihr euch bestimmt fragen wieso ich den Satz: „Ich mag es Ausländer zu essen“ als so wichtig einschätze, dass ich ihn als Titel verwende. Ganz einfach deswegen, weil er für mich den Abschluss eines sehr abwechslungsreichen und vollbepackten Wochenendes bildet.
Jetzt werdet ihr euch fragen: Wieso spricht sie an einem Mittwoch vom Abschluss eines Wochenendes. Da gibt es eine simple Antwort drauf, weil alles bis heute noch Nachwirkungen vom Wochenende sind.
Bestimmt habe ich euch jetzt reichlich verwirrt und fange deswegen jetzt mal mit meinem Bericht über ein Wochenende an, dass so ganz anders war als meine typischen Wochenenden.
Zunächst war es in keinster Weise entspannend. Samstag Morgen musste ich schon um 7 Uhr aufstehen. Ich wollte mit meiner Gastschwester Rachel wieder zu ihrer Kunst Klasse gehen um mein Gemälde (Foto folgt) weiter zu malen.
Wie immer wurde auf dem Weg dahin bei einem Straßenstand halt gemacht und Frühstück geordert. Wie immer fragte Tina, meine Gastmutter mich was ich denn essen wolle und wie immer sagte ich Bouzi. Nicht etwa weil ich die kleinen Teigtaschen so gerne esse, nun ja ich esse sie wirklich sehr gerne. Nein viel mehr, weil ich einfach noch nicht mehr sagen kann. Wie immer versuchte Tina mir mit ihren wenigen Englischkenntnissen die Gerichte zu übersetzen und wie immer endete es darin dass ich lächelnd sagte sie solle doch entscheiden. Wie immer entschied sie sich für ein sehr leckeres Sandwich was ich auch wie immer mit Genuss aß. Um euch taiwanesisches Frühstück mal näher zu bringen, hier eine kleine Beschreibung: Das Frühstück in Taiwan ist viel deftiger als das, was ich von Deutschland gewöhnt bin. Es ist ganz normal zum Frühstück schon ganze Gerichte wie Nudeln, Dumplings oder Bouzi zu essen. Des weiteren kann man aber auch alle Arten von Burgern oder Suppen bestellen. Ich kann mir dieses deftige Essen am frühen Morgen nur durch das heiße Wetter erklären. Morgens ist es logischerweise noch nicht so heiß und da ist man dann solche Sachen. Mittags und Abends wird dann Reis gegessen.
Da ich es nicht gewöhnt bin morgens so viel und so deftig zu essen, habe ich mir jetzt einfach normales Brot, sofern dass hier eben „normal“ ist, gekauft und esse das dann. Die Sandwich kommen bei mir dann zu Mittag, was von Mitschülern und Taiwanesen dann skeptisch beäugt wird und Kommentare gemacht werden wie: „ Das ist doch Essen was man zum Frühstück isst und nicht zu Mittag.“
Wie ihr seht ist hier alles anders und ich werde demnächst mal einen Artikel schreiben speziell übers Essen.
Nun gut gehen wir also weiter in der Erzählung. Nach dem Frühstück gings dann zu Kunst Klasse wo Rachel, meine kleine Gastschwester mal wieder einen ihrer berühmten Anfälle hatte. Die äußern sich insofern, dass sie mich auf ein Mal total ignoriert und das wirklich in einer Weise dass ich schon sehr an mich halten muss um vor Wut nicht zu zerplatzen. :D Haha ich lerne mit ihr wirklich Geduld zu haben. Da sie auf meine Frage nach Hilfe mich einzuweisen wo denn alles sei nicht reagierte machte ich mich eben selber auf den Weg und fragte einen anderen Knirps. Der war trotz seines jungen Alters, geschätzte 9Jahre, aber wesentlich hilfsbereiter und half mir alles zu finden. Gut gestimmt setzte ich mich also an mein Bild und fing an weiter daran zu malen. Ab und zu kam dann die Zeichen Lehrerin und erzählte mir auf chinesisch was ich doch verbessern könnte. Ich verstand zwar die Worte nicht, aber was sie mir sagen wollte verstand ich trotzdem sehr gut. Ich muss sagen ich hatte noch nie eine solch gute Einweisung wie ich ein Bild am Besten malen sollte und dass dann auch noch ohne die Sprache zu verstehen.
Nun gut, also wie ihr seht macht es mir einen rießen Spaß unter lauter Knirpsen zu malen. Die sind natürlich alle viel geübter als ich, aber wen stört es so lange ich malen kann und so gut unterrichtet werde.
Als die zwei Stunden intensiven Malens dann zu Ende waren musste ich mit Rachel via Bus zu einer Stelle fahren wo wir Tina wieder treffen sollten. Ich kann euch sagen es macht einen heiden Spaß hinter einer pubertierend, schmollenden, dich nicht beachtenden 11 Jährigen hinterherzulaufen. Und irgendwie fand ich es in einer Weise so witzig dass ich ein fettes Grinsen aufsetzte. Das ermunterte dann auch eine ältere Frau im Bus mich gleich wieder auf meine Schule anzusprechen. Mein Schulzeichen ist nämlich fett auf meine Tasche gedruckt. Sie war so begeistert dass ich auf eine so gute Schule gehe und brachte das mit sämtlichen mir nicht bekannten chinesischen Wörtern zum Ausdruck. Ich verstand mal wieder gar nichts, aber schon daran gewöhnt grinste ich einfach und wiederholte den Namen meiner Schule den sie im „Gespräch“ (wenn man dass so nennen kann) mindestens 5 Mal wiederholte. Das war ein Spaß sag ich euch und endlich konnte Rachel mich nicht weiter ignorieren denn sie musste mir ja sagen, dass ich aussteigen sollte.

Erstmal ausgestiegen trafen wir dann Tina. Wir gingen zu Rachels Schule, da es dort einen Elternsprechtag gab. Als ich das Schulgelände betrat fühlte ich mich erstmal ein wenig fehl am Platz. Viele kleine Kinder starrten mich mit rießen Augen an. Ich versuchte möglichst unauffällig Tina und Rachel zu folgen. Aber leider falle ich alleine wegen meiner Größe schon auf.
Vorm Klassenzimmer angekommen erwartete uns dann Rachels Klassenlehrerin. Die war wieder total von der sogenannten Ausländerin, mir, begeistert und fragte mich nach einem Foto. Also mal wieder in Pose gestellt und gelächelt. Ich glaube ich lächle hier 15 Stunden am Tag. :)
Danach wollte ich mich mit anderen Austauschschülern an der Taipei City Hall Station treffen um dann gemeinsam den Taipei 101, das zweithöchste Gebäude der Welt, zu besuchen. Leider hatte Tina das mit der Zeit nicht ganz verstanden und entließ mich nach dem Lunch (das arme Kind, in dem Fall ich, soll ja nicht verhungern) viel zu spät in die MRT. Als ich an der Taipei City Hall ankam, waren die anderen Austauschschüler schon seid einer guten halben Stunde im Taipei 101. Jetzt hieß es Entdeckerin spielen und sich durch gezieltes nach oben gucken einen weg zum Taipei 101 zu schauen. Irgendwie schaffte ich dass dann auch und nach ca. 15 Minuten Fußmarsch (ich bin mindestens einmal falsch abgebogen), stand ich vor ihm. Ich war begeistert von der Größe und der Erscheinung. Gleichzeitig aber auch verloren, denn es so nahe vor mir erschien er mir dann doch sehr groß und er hatte auch noch mehr als einen Eingang. Also wurde dass Handy gezückt und Samanta, eine mexikanische Amerikanerin, angerufen. Sie versprach mich am Eingang abzuholen. Dumm nur, dass der Tower geschätzte 5 Eingänge hatte. Nach mehreren Anrufen traf ich sie dann aber endlich beim „Love“- Schild und betrat mit ihr das rießen Ding.
Zunächst ging es nicht wie erwartet nach oben, sondern nach unten. Dort warteten Sammy, einer unserer 7 Schwulen Jungen (ja hier sind sie so was von offen mit Homosexuellen), Daniek (meine spezielle kanadische Freundin), ihr Gastbruder Tylor, Isabelle (Amerikanerin) und Estelle (meine Französin) auch schon auf mich. Nach der herzlichen Begrüßung (ja wir sind eine Art große Familie), ging es dann in den 5(?) Stock wo wir die Tickets für den 89 Stock kauften. Nach einem Sicherheitscheck ging es dann im schnellsten Aufzug der Welt nach oben. Im 89 Stock war es dann erstmal vorbei mit dem munteren Geplauder. Alle waren so überwältigt von dem tollen Ausblick dass wir 10 Minuten nur mit offenem Mund starrend verbrachten. Als wir uns dann beruhigt hatten schauten wir uns natürlich noch alles weitere an und ich lege euch wärmlichst ans Herz, dass wenn ihr in Taipei seid ihr unbedingt den Taipei 101 besucht!
Wieder unten angekommen legten wir dann noch eine Fotosession mit dem „Love“- Schild ein und dann wollten wir alle unterschiedliche Sachen machen. Ein paar Austauschschüler wollten zu einer Bierfabrik, wozu ich aber keine Lust hatte, weil da ein paar Chaoten dabei sein würden und man deutsches Bier eh nicht toppen kann. Die Amerikaner wollten ins New York New York, dem New York Chinatown in Taiwan. Und Daniek und Tylor luden mich ein mit Tylors taiwanesischen College Freunden Bowlen zu gehen. Da ich mir fest vorgenommen hatte auch taiwanesische Freunde zu finden und nicht nur mit Austauschschülern rumzuhängen entschied ich mich also für letzteres.
In Shilin Nightmarket angekommen, dem Platz wo wir die anderen treffen sollten, erwartete mich dann erstmal wieder eine Überraschung die mir mal wieder nahe bringen sollte wie klein die Welt doch ist. Nachdem sich alle Tylors Freunde vorgestellt hatten unterhielt ich mich mit Young, der vor 2 Jahren mit Rotary in Camel, Californien, USA gewesen war. Wer mich näher kennt müsste vielleicht wissen, dass ich genau an diesem Ort vor ca. 7 oder 8 Jahren mal Urlaub gemacht habe und wie begeistert ich davon gewesen bin. Als ich ihm dann erzählte, dass ich aus Deutschland bin meinte er, dass seine Eltern und Schwester in den Sommerferien in Deutschland gewesen seien um ihre Austauschschülerin aus dem Vorjahr zu besuchen. Ich fragte ihn wo genau sie denn gewesen seien und es stellte sich heraus, dass er das vierte mir unbekannte Familienmitglied der Familie Chen ist, die ich in den Sommerferien dank Ann- Kathrin, kennengelernt hatte. Wir beide waren ziemlich überrascht und mir wurde mal wieder bewusst wie klein unsere Erde doch sein kann.
Ich verbrachte also einen wirklich super tollen Abend mit super netten Taiwanesen. Welchen die auch mal in meinem Alter waren und ich war so happy, denn ich habe das Gefühl, dass könnten richtige Freunde für mich werden. Wir haben bereits fürs nächste Wochenende eine gemeinsame Unternehmung geplant! :)
Abends gings dann wieder mit dem Bus Nachhause. Ja ich bin jetzt schon fähig ganz allein Nachhause zu kommen. In Deutschland war ich ja immer nicht so gut darin. Hier geht das viel besser, obwohl das Busfahren manchmal ein bisschen schwer ist, denn man muss dem Busfahrer am Anfang der Fahrt sagen wo man hin möchte und er lässt dich dann vor deiner Haustür raus. Aber selbst das habe ich bis jetzt immer hinbekommen.

Sonntag hieß es dann wieder ultra früh aufstehen. Ich hatte meinen Klassenkameradinnen versprochen mit ihnen in den Taipei Zoo zugehen. Daniek und Tylor hatte ich mir zur Unterstützung aber auch mitgenommen, denn manchmal sind meine Klassenkameradinnen doch sehr kindlich. Im Zoo selber war ich dann total begeistert von den Panda Bären. Ich verbrachte eine ganz tolle Zeit und hatte viel Spaß. Nach dem Zoo gings dann via MRT nach Ximen wo wir Dinner haben wollten. Wir aßen Pasta. Wie sich später rausstellen sollte gar nicht gut. Mein Magen war nicht mehr an solch europäisches Essen gewöhnt und ich verbrachte die gesamte Nacht von Sonntag auf Montag zwischen Klo und Bett. Weniger gut. Dienstag blieb ich dann Zuhause wo ich von einer ultra besorgten Tina mit Xifan (Reis in Wasser) gestopft wurde und tausendmal gefragt wurde ob ich denn nicht zum Doktor wollte. Ich kann euch sagen in einem anderen Land krank zu sein ist wirklich nicht schön aber dank Mama Marias guter Zurede gings mir dann gleich viel besser und heute war ich wieder in der Schule.
Im Englischunterricht sprachen wir über Musikrichtungen und ich sagte, dass ich Rock Musik mag. Daraufhin sollte ich eine Band sagen und mir viel die französischen BB Brunes ein. Daraufhin durfte ich dann wieder den Rest der Stunde vor der Klasse die französische Aussprache erklären und warum gerade diese Band so gut sei. Ganz am Ende fragte die Lehrerin mich dann ganz erstaunt ob ich aus Frankreich sei. NEIN ich bin DEUTSCHE! :D
Anschließend hatte ich von der Schule organisierten chinesisch Unterricht. Ich lernte Gerichte kennen und auszudrücken wenn ich etwas mag bzw. nicht mag. Total begeistert von den neuen Sachen die ich lernte sagte ich zu meiner Lehrerin: „Laoshi, Wo xihuan shi wai gou ren“ was meiner Meinung so viel heißen sollte wie: „Lehrerin, Ich mag es Ausländer zu sein“. Da ich es aber leider falsch betonte, nämlich mit dem „shi“ für Essen, verstanden die Anwesenden: „Lehrerin, Ich mag es Ausländer zu essen.“ Nach dem mich alle schockiert angeschaut hatten machte mich meine Lehrerin dann darauf aufmerksam was ich wirklich gesagt hatte und alle brachen in schallendes Lachen aus. Haha wie ihr seht ist das mit der Betonung wirklich so eine Sache. Aber was soll's zum Glück haben hier ja alle Humor und finden eh immer alles was ich auf chinesisch sage klasse, auch wenn es so komisch ist.
Aber mit dem wars dann nicht genug, den nächsten Lacher kassierte ich dann im Mathe Unterricht. Gelangweilt wie ich war las ich mein nunmehr drittes Buch seit meiner Ankunft. Natürlich auf Englisch, gab es darin Wörter die ich nicht verstand. Also schnell einen der super modernen elektronischen Wörterbüchern meiner Klassenkameradinnen geschnappt, das Wort eingetippt und der Sitznachbarin gezeigt, damit sie es mir übersetzt. Nur verzog die komischerweise den Mund zu einem fetten grinsen und zeigte den Bildschirm der ganzen Klasse, bevor sie mir die Bedeutung der Wörter: „testicle“ und „progenitively omnipotent“ mitteilte. Nun hatten aber wirklich schon alle die Bedeutung auf chinesisch gesehen und ich lief bei der Erklärung rot an. Haha was die jetzt wohl denken was ich für Bücher lese, dabei war es ein typisches Mädchenbuch mit Namen: „Princess Diaries“ oder auf deutsch „Plötzlich Prinzessin“. :D
Damit war es dann aber immer noch nicht genug, denn im „Social Studies“ Unterricht wurde ich unbemerkter Weise zum zu studierenden Objekt. Die Lehrerin hatte wohl schon länger die Schülerinnen aufgeklärt wie viel Selbstüberwindung es braucht in ein fremdes Land mit einer so fremden Kultur zu kommen und wie langweilig für mich der Unterricht doch sein müsste, wo ich doch nichts verstehe. Als ich dann gähnen musste brachen alle in ein rießen Gelächter aus und endlich wurde auch ich aufgeklärt, als letzte, dass die ganze Zeit über mich geredet wurde.
Ihr seht alles in allem waren meine letzten Tage wieder super aufregend und ich hoffe ich langweile euch nicht mit meinen sehr ausführlichen Berichten! Jetzt wird es aber Zeit noch ein bisschen zu lernen, morgen steht wie jede Woche ein chinesisch Test an. Komischerweise schaffe ich da immer recht hohe Scores 89 von 100 Punkten ohne besonders gut vorbereitet zu sein. Ich sag ja egal was man macht, man ist immer erfolgreich.
Also dann bis demnächst. Achja wenn ihr bestimmte Anregungen habt oder wollt, dass ich auf ein bestimmtes Thema näher eingehe, bitte schreibt es mir ;)

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