Taipei

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Montag, 23. August 2010

Der längste Tag meines Lebens...

Der längste Tag meines Lebens...

Nun war es endlich soweit, der 21 August 2010, Tag meines Abfluges war endlich gekommen.
Nachdem ich den Vortag die ganze Familie nochmal in totale Panik versetzt hatte, mit sage und schreibe 11 Kilo Übergewicht, war ich für meinen Teil Morgens als es um 8 Uhr losging recht entspannt. Auf dem rund einstündigen Weg von Marburg zum Frankfurter Flughafen wurden dann noch T und Vero aufgesammelt, die mich verabschieden wollten. Die Fahrt selber ging schnell herum und wir machten und am Flughafen angekommen auf dem Weg zum Schalter. Dort stand ich dann genau eine Minute an, als auf einmal unsere Halle, Halle D im Terminal 2, abgesperrt wurde. Es gab natürlich genau neben meinem Schalter eine verdächtige Plastiktüte. Also war BOMBENALARM ausgerufen worden. Sicherheitskommandos und Spezialeinheiten machten sich dann also daran herauszufinden um was es sich denn bei der Tüte handelte und es war wirklich nur eine harmlose Plastiktüte. Nach gut einstündiger Wartezeit wurden dann die Schalter endlich wieder geöffnet. In der zwischen Zeit musste unser Flug wegen der vermeintlichen Bombe trotzdem um eine Stunde nach hinten, also auf 12:20 Uhr verlegt werden.
Nachdem ich mich schnell von meinen Eltern und Freunden (Charly war auch noch dabei) verabschiedet hatte, ging es dann schnell in die Sicherheitskontrolle wo ich dann auch prompt mal wieder (passiert mir IMMER) aussortiert wurde. Ich sollte meine Spiegelreflexkamera nehmen und mitkommen. In einem der Prüfräume wurde ich dann befragt: „Mit was für einer Organisation ich denn weggehen würde?“ „Was das für eine Organisation sei und ob ich für diese Organisation Fotos machen würde“ Alle diese Fragen musste ich beantworten und als ich den Sicherheitsbeamten dann am Ende davon überzeugt hatte, dass von mir keine Gefahr ausgeht entließ er mich dann noch mit dem netten Kommentar: „Nach Taiwan in den Austausch? Na was besseres hätte dir ja auch nicht einfallen können!“
Na Danke! -.-
Die Wut war dann aber schnell vergessen als ich in der Wartehalle auf die anderen die mit mir in den Austausch gehen traf. Wir waren ne muntere Runde von 22 Leuten und verbrachten unsere Zeit mit Mutmaßungen wie unser zukünftiges Leben denn ablaufen sollte...
Ich muss sagen etwas besseres hätte mir gar nicht passieren können denn zum einen bin ich wirklich nicht die lang strecken Fliegerin von Natur und zum zweiten hatte ich den Gedanken an Abschied einfach übergangen.

Dieses nette Beisammensein wurde dann aber leider gestört als man uns mitteilte man würde nicht genau wissen wo unser Flugzeug sei und das es einen Betriebsschaden hätte. Mit einem Essensgutschein wurden wir wieder aus der Abflughalle raus geschickt mit der Info, dass das Flugzeug eventuell so um drei Uhr kommen könnte, wenn das aber nicht der Fall sei, wir in Frankfurt übernachten müssten.
Zum Glück kam es dann nicht dazu und wir konnten um 16Uhr endlich abfliegen. Ich hatte das Glück einen Fensterplatz zu bekommen und Nico einen wirklich netten Mitaustauscher neben mir zu haben. Dank tollen Filmen gingen die ersten 4 Stunden dann auch klasse herum. Der Rest war dann aber die absolute Quälerei, weil wir durch ein Gewitter flogen, es dementsprechend total wackelte und es echt viel zu unbequem war zu schlafen. Also kam ich dann um 11 Uhr morgens anstatt wie geplant 6:25 Uhr in Taipei, Taiwan an. Kaum angekommen war die Aufregung dann auch wieder leicht da... sofort als ich dann aber aus den Einreisehallen raus kam und meinen Koffer entgegen genommen hatte war das schlagartig vorbei. Draußen warteten um die 50 (!!!) Taiwanesen., die als sie uns sahen alle anfingen unsere Namen zu brüllen und ihre gebastelten Plakate wie wild rum zu Schwänken. Ich muss sagen kaum draußen wurde ich also auch schon von dieser Menge eingeschlossen. Unter anderem waren meine Gastmutter Tina, mein Gastvater Henry, meine Gastschwester Rachel, mein zweiter Gastvater Spencer, mein Counselor Paul Yue, meine Bekannte April und ihr Vater da. Also es waren noch viel mehr aber in dem Moment waren es die, die am meisten mit mir geredet haben oder eher rumgeschriehen haben: „Ni hao Fiona, Nice to meet you, It's soo amazing, great, wonderful (…) to have you her!“
Als die erste Hysterie um „the Germans“ dann mal zu Ende war informierte mich Spencer, der als einziger einigermaßen Englisch kann, darüber dass wir jetzt Nachhause fahren würden. Also wurde dann der Mercedes (ja ich muss zu geben dass hätte ich nicht gedacht, aber echte deutsche Qualität wird eben auch auf Taiwan verwendet) vorgefahren und wir stiegen ein. Ich voll behangen mit allen möglichen Ketten und Girlanden die sie mir gebastelt hatten und voll bepackt mit rießen Postern musste mich dann so mehr oder weniger hinten rein quetschen.
Da kam dann auch schon die erste Situation wo ich einen Unterschied zwischen Deutschland und Taiwan feststellen konnte. Ich, vorbildlich wie immer, schnallte mich dann natürlich auch an und wunderte mich als meine Gastmutter und Gastschwester auf ein Mal los kicherten. Spencer machte mich dann in gebrochenem Englisch darauf aufmerksam, dass man in Taiwan nur auf den Vorderseiten den Sicherheitsgurt anlegen müsste. Er versicherte mir dann aber, dass ich wenn ich wollte natürlich selbstverständlich auch hinten den Sicherheitsgurt anlegen dürfte.
Nach dem das dann geklärt war, wurde entschieden dass ich jetzt unbedingt einen chinesischen Namen bräuchte der auch mit ihrem Familien Name LIN übereinstimmt. Also wurde viel hin und her überlegt und auf der knapp 25 Minütigen Fahrt dann beschlossen mich doch LIN yo na zu nennen. Zuhause angekommen wurde sich dann erstmal in die Küche gesetzt wo ich dann erstmal aufschreiben musste wie mein Name denn nun auf Deutsch ausgesprochen würde. Sie waren so begeistert davon den Namen immer und immer wieder falsch zu sagen, dass sie irgendwann auf die Idee kamen mir nun auch mal ihre Namen vollständig aufzumalen. Ihr wollt nicht wissen wie lange das gedauert hat und was für schwierige Zeichen das sind.
Als wir den Namenshype dann hinter uns gebracht hatten, wurde mir dann das Haus gezeigt. Jetzt wollt ihr sicher eine Hausbeschreibung. Mh wo fange ich an... In unserem Haus gibt es einen Aufzug, alles ist bis ins kleinste Detail stilistisch durchgeplant und ich muss sagen, ich habe wahrscheinlich noch niemals in etwas so teurem gelebt. Mein Zimmer hat einen ca. 4m langen begehbaren Kleiderschrank, mein Bett hat bestimmt Übermaße so rießig ist es und wisst ihr was? Von meinem eigenen Balkon aus kann ich die Skyline von Taipei inklusive Taipei 101 sehen. Mal ehrlich der sogenannte Vorort ist einfach direkt in der Stadt!
Naja zum Thema zurück. Das Haus ist wirklich der Hammer! Schaut euch einfach die Bilder an dann wisst ihr wie es mir hier geht!

Nachdem wir dann also die Hausführung durch hatten, wurde mir mitgeteilt, dass wir jetzt essen fahren würden. Also fuhren mir los und mir viel das erste Mal auf wie verdammt schwül es hier eigentlich ist. Es hatte 37 C
Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 97 Prozent. Ich muss ja sagen ich habe mich diesen Sommer so einige Male über die Hitze in Deutschland beklagt aber dagegen wie es bei euch war ist das hier echt die Hölle pur! Allein vom nichts machen, und mit nichts machen meine ich auch nur rumstehen, bist du schon klitschnass geschwitzt! :) Ich denke ich habe viel zu viele warme Sachen mit, aber wir werden sehen der Winter wird auch mal kommen.

In diesem kleinen Restaurant angekommen setzten wir uns an einen dieser Runden Tische. Uns wurde ganz viel reserviert und wir konnten so viel nehmen wie wir wollten. Ich muss sagen mir wurde noch nie so viel Aufmerksamkeit entgegen gebracht wie hier. Meine verzweifelten Versuche einigermaßen mit Essstäbchen zu Essen wurden von allen belächelt und es schienen alle nur darauf zu warten in Jubel auszubrechen wenn ich einen Happen ohne ihn zu verlieren in den Mund bekam.
So was witziges habe ich selten erlebt, sie waren alle in so einer Art zuvorkommend und aufbauen, echt klasse!!

Nachdem ich dann genug von meinen Essversuchen hatte und die Anderen auch fertig waren fuhren wir wieder Nachhause.
Auf dem Weg dahin machte sich nun doch etwas Müdigkeit breit und ich war heil froh als mir ein kleiner 1 stündiger Powernap genehmigt wurde. Um 17 Uhr wachte ich dann wieder auf und nachdem ich mich von den Reisestrapazen ein wenig frisch gemacht hatte fuhren wir auch schon wieder los, es sollte mir doch Wugu gezeigt werden. Was ich in den Straßen so sah entspricht so gar nicht unseren deutschen Straßen. Auf der einen Seite die hochmodernen super Häuser auf der anderen dann wieder diese kleinen süßen Mini Häuschen mit ihren Ständen davor. Wir fuhren dann auf einen der Berge hoch an eine Gedenkstätte wo man die ganze Stadt überblicken konnte. Dort oben zu stehen war wirklich unglaublich! So was schönes habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Schaut euch unbedingt mein Video an!

Ach ja da war dann auch ein Hackenkreuz in rot gemalt und ich fragte Spencer natürlich was das heißt. Er meinte das sei ein Zeichen Buddhas. Als ich ihm erklären wollte was das für Deutsche heißt konnte er mit den Begriffen Krieg, Nazis oder Hitler nichts anfangen.Danach wurde dann wieder Nachhause gefahren und mir mitgeteilt, dass David, Mr. Ghost oder auch Wu zhang chung der Taiwanese der letztes Jahr im Deutschlandaustausch war und mich auch öfters in Marburg besuchte, zum essen kommen sollte. Also half ich meinem Gastvater beim Kochen. Es gab so ne Art Hühnersuppe, dann Nudeln mit viel Gemüse und Bambussprossen (müsst ihr unbedingt mal probieren sind super lecker). Irgendwann kam dann auch David mit seinem Freund Chang im Schlepptau. Ich freute mich natürlich rießig ihn wiederzusehen und war um so überraschter als Chang auch auf ein Mal Deutsch sprach. Der war nämlich auch in DE gewesen. Auf jeden Fall war es dann eine wunderbare Runde. Wir hatten einen tierischen Spaß (da soll mir noch einer sagen, die Taiwanern seien verklemmt) und anschließend halfen die Beiden uns dann noch die wichtigsten Regeln zu besprechen. Da David jetzt leider im Süden von Taiwan studiert hat er leider keine Zeit mich ein wenig herum zu führen. Zum Glück versprach mir aber Chang mir ein wenig zu helfen und lud mich auch gleich auf seine Party am Dienstag ein (soll nochmal einer sagen die würden keine Partys feiern).
Mir wurde dann auch mitgeteilt, dass ich ja zweimal meinen 18ten bei ihnen feiern würde, weil sie ja noch einen Kalender haben. :D

Na ja ich half dann noch beim Abwasch und regelte die nächsten Behördengänge mit Tina ab. Jetzt ist es schätzungsweise 1 Uhr nachts, neben mir blinkt der Taipei 101 und ich werde mich endlich nach über 24 Stunden mal aufs Ohr hauen. Bitte nehmt mir die Rechtschreibfehler und Satzbaufehler nicht so krumm, ich glaube so einen spannenden Tag hatte ich lange nicht mehr. Aber ich bin echt glücklich über diesen tollen Start! :)

3 Kommentare:

  1. Hallo liebe Fiona. Oh deine ersten tage klingen ja schon richtig spannend. da werde ich ja schon ein bisschen neidisch. von deinem Zimmer möchte ich aber gern noch ein bild sehen! *sehrneugierig*
    :*

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  2. Heey Lenchen,
    Klar kommt alles noch nur leider habe ich hier immer so viel Programm, dass ich erst um 12 Uhr Nachts an den PC komme. Dann beantworte ich meist nur die wichtigsten Emails und geh dann schlafen. Bei dem Programm was ich hier so habe bin ich echt müde. Ich hoffe, dass ich am Wochenende dazu komme. :)<3

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  3. ach du mach dir keine Stress. ich bin ja nur ( wie du sicher weist ein sehr neugieriger Mensch.das lesen deiner Tagesberichte ist mindestens genau so spannend.
    Hab eine schöne Woche! <3

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