Also gut um Punkt acht Uhre standen Gastmama Tina und ich also in der Schule. Um 9 Uhr hatten sich alle eingefunden und es gab eine Wilkommenszeremonie inklusive Tee für uns Austauschschüler.
Wer wir sind? Fiona aus Deutschland, Estelle aus Frankreich, Arantxa aus Spanien und Effie aus der Schweiz (ihre Mama ist aber Taiwanesin, deswegen spriucht sie Chinesisch).
Zunächst fragte die Schulleiterin uns: " Do you listen to Chinese?" und ich konnte es mir einfach nicht verkneifen zu antworten: " Yes, I guess we are able to listen to it but not able to speak."
Die Lacher waren auf meiner Seite und die Direktorin meinte ich hätte Humor. :)
Anschließend sollten wir uns dann auf chinesisch vorstellen. Dank Yutong kein Problem und alle waren super begeistert als ich dann noch hinzufügte: "Wo de zhong wen míngshēng yao 林 小 妤", was so viel heißt wie: "Mein chinesischer Name ist lin xiao yu"
Als sie sich dann einigermaßen beruhigt hatten, ging es daran die Schuluniform anzuprobieren. Ich hatte mich schon lange auf diesen Moment vorbereitet, weil ich es einfach das Größte fand etwas anderes zu machen aber trotzdem gleich allen Anderen zu sei(Nebenbei angemerkt, dass mit dem Gleichsein klappt leider so überhaupt nicht, denn trotz der gleichen Uniform starren mich alle an).
Die Uniform ist im Vergleich zu Anderen auch ganz passabel aber nun nach einer Woche tragen muss ich sagen, dass sie einfach viel zu heiß ist.
Hier mal ein Bild:
Nun war es soweit und eine Mitschülerin sollte mich in meine Klasse bringen. Dort warteten schon ca. 40 Schülerinnen auf mein Erscheinen. Dort angekommen musste ich dann auch erstmal nach vorne und mich vorstellen. Anschließend stürmten alle auf mich ein und sagten ich sollte ihren Clubs (ihren Heiligtum) beitreten. Es wurden dann auch noch so typische Fragen wie: " Do you want to have a taiwanese boyfriend?" und "Do you like Tokio Hotel?" gefragt. Nachdem ich die dann alle beantwortet hatten mutte ich zum Fotoshooting herhalten. Als ich dann geschätze 40 Mal in eine Kamera gelächelt hatte wurde ich zu meinem Platz geführt. Der war praktisch nicht benutzbar denn es lagen tonnenweise Geschenke darauf. Unteranderem kleine Anhänger, Süßigkeiten, Bubble tea und noch vieles mehr.
Das hat sich jetzt zu nem Trend durchgesetzt und ich bekomme jeden Tag mindestens eine Kleinig geschenkt und tausend Zettelchen geschrieben. :)
Dann hatte ich meine erste Unterrichtsstunde und es war das Fach " National Defense". Ich muss zugeben, ich hatte nicht erwartet in einer Mädchenschule ein solches Fach zu haben. Aber ich hatte es eben doch und musste dann auch erstmal prompt spalier stehen. Ich muss sagen ich mag diese Militärperson die da vor uns steht gar nicht. Ihr Gesicht ist total verhärmt und sie wirkt auf mich als wäre sie zu keinem Lächeln fühig. Alles in allem finde ich diesen Unterricht auch wirklich nicht gut. Ich habe mir es jetzt zur Gewohnheit gemacht diese Lehrerin immer anzugrinsen. Vielleicht werde ich ihr ja irgenwann mal ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können? Ich glaube ja nicht daran.
Taiwanesische Schüler oder die Mädels aus meiner Schule nehmen alles was mit der Schule zu tun hat sehr ernst. Überhaupt ist ihre Einstellung zur Schule eine ganz Andere als die die ich aus deutschen Schulen gewöhnt bin. Zunächst sind da erstmal die täglichen Tests die sie zu schreiben haben. Sie kommen dann schon um 7 Uhr zur Schule um an diesen Tests teilnehmen zu können. Die Tests werden aber nicht etwa von irgendeinem Lehrkörper überwacht, nein. Das ist hier gar nicht nötig, denn sie lernen ja für sich und würden deswegen auch nie abschreiben. Das hat mich schon echt schockiert am Anfang ;)
Dann sind da die Schulclubs. Jeder muss einem beitreten und der jeweilige Club ist dann das Größte für sie. Sie kommen zum Teil schon um 6 Uhr in die Schule um für ihre Clubs zu tranieren oder sonstiges vor zu bereiten. Mich haben sie auch gleich alle gestürmt doch ja ihrem Club beizutreten aber ich habe mich dazu entschieden erstmal in alles reinzuschnuppern.
Dann ist da noch das Volleyball. Das ist bei mir an der Schule etwas ganz besonderes. Wir sind anscheinend ganz weit vorne dabei und super erfolgreich darin. Deswegen spielt auch wirklich jeder Volleyball und praktisch jede freie Minute wird zum tranieren genutzt. Und es ist nicht so als würden wir nur so dumm rumspielen ohne richtigen Plan. NEIN. Bei jedem Training werde wir auf die richtige Körperhaltung und wichtige Technicken hingewiesen. Ich habe schon ganz blaue Arme vom vielen Üben. Es ist mittlerweile auch selbstverständlich für mich nach der Schule noch mindestens 2 Stunden Volleyball zu trainieren. Zum Einen kann ich so Zeit mit meinen Klassenfreunden verbringen und mich zum anderen noch sportlich betätigen. Das macht auch wirklich spaß.
Oh sehr witzig ist unser Englisch Unterricht. Die Lehrerin hat mich zu einer Art Assistentin erklärt und das letzte Mal sollte ich dann vor der Klasse etwas über die deutsche Sprache erklären. Als ich ihnen also etwas über die deutschen Artikel: "Der Hund, Die Katze, Das Wasser" erklärt hatte, sagte die Lehrerin sie sollten mich doch jetzt fragen über die deutsche Sprache. Sie fragten auch, aber es hatte nichts mehr mit der Sprache zu tun. Nein, wie denn die deutsche Schule, das deutsche Leben und das deutsche Bier sei. Irgendwann wurden die Fragen dann so privat, dass die Lehrerin meinte ich müsste sie nicht beantworten. Ich tat es trotzdem auch auf die Gefahr hin dass sie als Lehrerin nicht so begeistert sein würde wenn ich den Schülerinnen über deutsche Bars vorschwärme. Aber im Gegenteil. Sie war begeistert und appellierte an die Anderen sie sollten doch auch so offen wie ich sein.
Ich kann machen was ich will, alle sind begeistert!
Meine Lieblingsfächer sind momentan Englisch, weil ich da assistieren kann. Mathe, weil die Lehrerin mich zu lieben scheint und super sympatisch ist und Kunst, weil ich da auch mitmachen kann! Die restlichen Fächer verbringe ich mit Lesen. Ich habe in der einen Woche schon zwei englische Bücher mit nem Umfang von jeweils ca. 250 Seiten gelesen. Achso ich studiere natürlich auch noch Chinesisch! Ich hatte Donnerstag einen Test über die Phonetics im Chinesischen. Der lief aber leider nicht so gut, denn ich hatte einen schlechten Tag. Naja was solls.
Heute passierte mir dann wieder was echt tolles. Nach der Schule als ich mich gerade daran machte das Schulgelände zu verlassen rief mich eine mir unbekannte Nummer an. Ich beantwortete sie und ein Mädchen mit dem Namen Ting ting wies mich an doch in die Bibiliothek zu kommen. Dort angekommen wartete sie schon, stellte sich als Senior (hat die Schule letztes Jahr beendet) Sistern (wir haben alle Schwestern,die jeweils gleichen Nummern einen Jahrgang über uns). Sie schenkte mir einen Bubble tea (Yummy) und war total begeistert davon mich zu treffen. Total positiv gestimmt verließ ich die Schule und wurde von zwei anderen Seniors abgefangen. Ray, die eine von Beiden war letztes Jahr zum studieren in London und sprach deswegen sehr gutes Englisch. Sie lud mich gleich dazu ein mal ein bisschen rumzuschauen, was ich natürlich auch annahm. Es ist unglaublich wie schnell man Leute kennenlernt.
Hallo Fiona,
AntwortenLöschenich freue mich immer zu hören, dass es Dir in Taiwan gut geht und Du glücklich bist. Ich verfolge Deine Erlebnisse regelmäßig und kann so auch selbst noch sehr viel dazu lernen.
Bis bald
Marion
Hallo Marion,
AntwortenLöschenEs ist immer toll zu lesen, dass sich jemand für meinen Blog interessiert. Vielen Dank dafür und herzlichen Glückwunsch ;)
Schön wenn du durch mich noch was dazu lernen kannst.
Liebe Grüße an die Familie,
Fiona