An diesem Wochenende hatte ich meine erste Orientation von Rotary mit dem Namen „Rotary Youth Leadership Award“ (RYLA). Am Freitag starteten Henry (Gastvater) und ich also schon um 9 Uhr Morgens um uns auf dem Weg zu diesem Event was in Tao Yuan, ca. 45min von Taipei entfernt, stattfinden sollte. Da Wugu, mein Stadtviertel, keine direkte Anbindung an die MRT (U-Bahn) hat, mussten wir zunächt mit dem Bus zur nächsten MRT Station fahren. Für mich war es das erste Mal MRT zu fahren und ich war auch hier wieder recht überrascht wie übersichtlich und geordnet alles war. Wo ich in Deutschland des öfteren mal Orientierungsschwierigkeiten habe, war ich fest der Meinung in Taipei erstmal verloren zu sein. Ich war also auf viele Menschen, Unordnung und Enge eingestellt und so erstaunt wie sittlich alles ablief. Taiwanesen haben sogar ein zwei Reihen System zum Einsteigen in die MRT's. Innendrinnen ist es total angenehm klimatisiert und alles andere als eng. Dieses Ordnungssystem der Taiwanesen erstaunt mich immer wieder!
Nun ja, auf jeden Fall fuhren wir wie ich dachte zu dem Treffpunkt wo die Busse uns nach Tao Yuan bringen sollten, nur hatte Henry was anderes geplant und wegen den nicht vorhandenen Englischkenntnissen konnte er mir das nicht mitteilen. Ich war dann auch ganz erleichtert als wir ins Büro von Howards ( Taiwanese den ich im Rotary Meeting kennengelernt habe der auch 17 ist) Vater ankamen und Jill, Howards Mom und er selbst mich zum Lunch entführten.
Mal wieder gings zum Japaner, was hier anscheinend echt populär ist. Nach dem Lunch, welcher wirklich toll war da das Essen sehr lecker war und Jill (spricht kein Englisch) und Howard super nett zu mir waren, gingen wir dann zu dem Treffpunkt. Dort herrschte für mich auf den ersten Blick Chaos. Das lag aber auch nur daran das ich die bunten Zeichen die überall hingen nicht lesen konnte. Irgendwann hatte mich dann aber irgendwer zu einer Gruppe gebracht und man teilte mir mit das ich in Gruppe 6 sei. Die anderen Gruppenmitglieder waren alle Taiwanesen die zunächst nicht mit mir sprachen. Umso glücklicher war ich als ich dann im Bus einen Franzosen: Killian (kein Englisch), eine Kanadierin: Daniek und eine Amerikanerin: Savanna und einen Amerikaner: Nick kennenlernte. Die waren super aufgeschlossen und die fahrt über verging damit das ich mit Killian auf französisch darüber diskutierte ob nun Deutschland oder Frankreich den besseren Fußball hätte. Im Tao Yuan lernte ich dann die anderen Austauschschüler kennen. Insgesamt sind wir in meinem Distrikt 3480 ca. 50 Austauschschüler. Davon sind wir mindestens 25-30 Amerikaner, 6 Deutsche, ca.14 Franzosen und noch Kanandier, Tschechen, Ungarn, Russen, Australier usw.
In einer Art Interview geführt von Fible, einem Rotexer der letztes Jahr im Austausch in Deutschland war und wirklich perfektes Deutsch spricht mit tollem bayrischen Akzent (hört sich außergewöhnlich witzig an), lernten wir uns dann alle kennen und ich muss sagen diese Interviews waren wirklich witzig und ungezwungen.
Abends mussten wir dann in unsere Gruppen zurück. Die Taiwanesen in meiner Gruppe die am Mittag so zurückhaltend gewesen waren, waren nun total offen und zusammen mussten wir Team Aufgaben meistern. Das ging obwohl wir nicht alle die gleiche Sprache hatten wirklich erstaunlich gut. Es ist unglaublich wie gut man sich nur über Körpersprache, Gesten und ein nettes Lächeln verständigen kann!
Dann kam für mich das erstaunlichste. In Deutschland waren immer alle der Meinung das sie in Taiwan sehr streng sind und nicht ungezwungen sein könnten.
Ich wurde vom Gegenteil überzeugt. Rotary hatte uns einen bekannten taiwanesischen DJ organisiert und der legte auf. Zunächst waren es auch wirklich nur wir Austauschschüler die dazu tanzten. Dann nach und nach wurden die Taiwanesen aber total von uns angesteckt und es war wirklich unglaublich viel Spaß! Im Endeffekt war ich mehr als einmal mit auf der Bühne und am Ende wirklich durchgeschwitzt so viel hatte ich mit den Anderen getanzt.
Also wer mir jetzt sagen will das man nur mit Alkohol Spaß haben kann und in Taiwan es keinen Spaß gebe, der war noch nicht da. Ich kann euch sagen, Taiwanesen sind zwar vielleicht anfangs etwas schüchtern aber wenn man sie dann offen aufnimmt sind sie die nettesten Menschen der Welt!
Samstag
Am nächsten Tag war dann wieder frühes Aufstehen angesagt auch wenn wir alle Hunde müde waren. Dann mussten wir in einer Art Zeremonie unsere Länder repräsentieren und guess what? Ich war Diejenige die strahlend die Flagge trug :P... Nach einer Zeit lernt man im Ausland wirklich auch das eigene Heimatland in gewisser weise zu schätzen!
Danach wurde uns dann vom Rotary Präsidenten eingetrichtert immer positiv zu sein und wirklich ich bin optimistischer denn je!
Am Nachmittag ging es dann zu den Gruppen Aktivitäten zurück. Wir besuchten einen rießigen Kletterpark in der Nähe. Zusammen in unserer Gruppe konnten wir dann klettern wie die Dummen. Das sollte unseren Zusammenhalt stärken, was auch wirklich funktionierte. Abends hatten wir dann nämlich die Aufgabe herauszufinden was gute Kommunikation ausmacht. Da wir das ja schon den ganzen Tag gemacht hatten (Körpersprache, Gesten und immer ein fettes Grinsen im Gesicht) war das dann auch kein Problem und wir hatten einen rießen Spaß dabei einen Sketch zu gestalten um den anderen am nächsten Tag vorzustellen was gute Kommunikation ausmacht!
Spät am Abend saß ich dann noch mit Fible (Bayrischer Taiwanese :P), Jesse (war in den USA im Austausch), einem Belgier und einem Brasilianer draußen und wir unterhielten uns skyeptisch über die Vor,- und Nachteile unserer jeweiligen Länder. Es war für mich wirklich sehr lehreich was die Anderen so über ihre Länder erzählten. So lernte ich mein eigenes Land skeptischer zu betrachten aber auch gute Dinge an Deutschland zu erkennen. Das war wirklich super lehrreich für mich.
Sonntag
Sonntag war dann die Vorstellung unserer Sketche an der Reihe. Vor ca. 150 Leuten mussten wir dann auf die Bühne aber ich muss sagen anstatt Lampenfieber zu haben, hatte ich wirklich einen rießen Spaß. Hier ist es wesentlich einfacher für mich ich selbst zu sein. Wahrscheinlich weil ich mich viel mehr akzeptiert fühle und die Anderen in der gleichen Situation sind wie ich.
Danach waren dann noch Gruppenfotos angesagt. Eine Taiwanesin aus meiner Gruppe machte mir ein wunderbares Geschenk. Sie hatte ein Bild von mir gemalt, weil ich ihr am Vortag Deutschland Pins geschenkt hatte. Ich fand diese Geste von ihr wirklich total toll, dass zeigte mir wie sehr sie die Pins zu schätzen wusste.
Anschließend kamen dann super viele Taiwanesen auch aus anderen Gruppen die Fotos mit uns haben wollten. Jesse (Taiwanese) hatte mir am Vortag schon gesagt wie selten wir hier sind und deswegen werden wir echt hoch gehandelt. Man fühlt sich wie ein kleiner Star wenn alle auf einen zu kommen und sich super freuen wenn sie ein Foto mit einem haben :)
Jetzt hätte ich fast vergessen von Alice zu erzählen. Alice war die Gruppenleiterin von meiner Gruppe. Sie ist auch eine Taiwanesin und spricht super gutes Englisch. Von Anfang an haben wir uns super verstanden und am Ende haben wir uns sogar gegenseitig unsere Poster (von uns selber) geschenkt, weil wir uns so miteinander befreundet haben. Alice wohnt nicht allzu weit weg von mir und sie hat mir gesagt, dass sie mit mir mal was unternehmen will. Das hat mich wirklich super glücklich gemacht, so langsam finde ich hier Anschluss! Taylor ein anderer aus meiner Gruppe war auch super nett und auch er will mir ein bisschen von Taiwan zeigen.
Als wir dann gegen Abend total erschöpft wieder in Taipei ankamen war ich total trauchig alle zu verlassen. Aber mein Trost: Ich sah die anderen Austauschschüler schon Montag (heute) wieder.
Anstatt dann aber Nachhause zu fahren fuhr Tina (Gastmama) noch mit Rachel und mir ihren besten Freund und seine Familie in einem Restaurant zu treffen. Das dann auch noch super schön, denn die Familie war sehr nett. Sie haben auch einen Hund (March), den Ersten mit dem ich hier Kontakt hatte. Und da ich meine Tiere echt vermisse war ich total glücklich March den ganzen Abend knuddeln zu können.
Eine neue Erfahrung war es dann für mich aber als sie den Hund wie selbstverständlich auf den Tisch hoben. Nicht etwa um ihn zu essen.
Ein für Alle mal: IN TAIWAN WIRD KEIN HUND GEGESSEN!!!
Wenn ihr Hund essen wollt, dann geht nach Thailand oder China. Nein, um mir vorzuführen wie sie Pfote geben kann. Für mich war das ein wenig verwirrend. Denn auf der einen Seite wird hier so für Hygiene gesorgt, auf der anderen Seite werden Hunde auf den Tisch in öffentlichen Restaurants gesetzt. Für mich war das echt was neues, aber was soll's: Andere Länder, andere Sitten!
Heute (Montag) hatte ich meinen chinesisch Test. Der war wirklich unglaublich einfach für uns alle. Da wir NICHTS verstanden, haben wir einfach alles geraten und ich wette mit euch, dass ich 0 Punkte haben werde ;)
Aber was soll's, ich bin ja dafür hier die Sprache zu lernen. Ich mache zwar nur langsam Fortschritte aber hey immerhin kann ich mich schon echt toll bedanken, was meiner Meinung nach ja auch schon sehr viel wert ist!
Also Alles in Allem bin ich immer noch super glücklich! Natürlich habe ich auch mal Durchhänger, vor allem wenn ich müde bin oder wenn die Amerikaner in einem Affenzahn mit mir sprechen, aber das gehört dazu und ich lerne damit umzugehen. Die positive Einstellung der Taiwanesen hat sich schon auf mich übertragen und es gibt Zeiten da kann ich mein Glück hier zu sein gar nicht fassen. Taiwan ist wirklich ein wunderbares Land. Es ist ganz was anderes als Deutschland und hat sicherlich auch seine negativen Seiten, aber ich liebe die schönen Seiten an ihm!
Also Feedback der ersten Woche ist durchweg positiv! :)


